KI vernichtet bislang kaum Jobs. Warum Berufseinsteiger trotzdem unter Druck geraten
Eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt: Ein allgemeiner Beschäftigungseinbruch durch KI ist bislang nicht erkennbar. Bei jungen Beschäftigten entwickelt sich der Arbeitsmarkt jedoch anders. Das wirft wichtige Fragen für Ausbildung, Personalentwicklung und die Fachkräftesicherung auf.
Neue IAB-Studie untersucht die Auswirkungen von KI auf Beschäftigung
Kaum eine Frage wird im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz so intensiv diskutiert wie ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Werden Unternehmen künftig weniger Mitarbeitende benötigen? Welche Tätigkeiten lassen sich automatisieren und welche Berufe verändern sich besonders stark?
Eine neue Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), veröffentlicht am 13. Oktober 2026, liefert hierzu aktuelle Daten aus Deutschland.
Die Forschenden untersuchten die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung zwischen 2022 und 2025. Dabei verglichen sie Berufe, die unterschiedlich stark durch KI beeinflusst werden könnten.
Das zentrale Ergebnis ist zunächst überraschend: In Berufen mit hoher potenzieller KI-Betroffenheit entwickelte sich die Beschäftigung insgesamt günstiger als in Berufen mit geringerer KI-Betroffenheit.
Von einem allgemeinen Beschäftigungseinbruch in besonders KI-exponierten Berufen kann bislang also keine Rede sein.
Junge Beschäftigte zeigen eine andere Entwicklung
Bei genauerer Betrachtung werden allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen sichtbar.
Für Beschäftigte zwischen 30 und 39 Jahren lag das Beschäftigungswachstum in stark KI-exponierten Berufen um knapp sechs Prozentpunkte höher als in weniger betroffenen Berufen. Bei den 40- bis 64-Jährigen betrug dieser Unterschied rund fünf Prozentpunkte.
Anders sieht es bei den 20- bis 29-Jährigen aus. In dieser Altersgruppe ging die Vollzeitbeschäftigung in stark KI-exponierten Berufen zwischen 2022 und 2025 um 3,8 Prozent zurück. In weniger KI-exponierten Berufen betrug der Rückgang 2,6 Prozent. Der Unterschied liegt somit bei 1,2 Prozentpunkten.
Allerdings ist eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen der potenziellen KI-Betroffenheit von Berufen und ihrer Beschäftigungsentwicklung. Sie beweist nicht, dass KI die beobachteten Rückgänge verursacht hat.
Berücksichtigen die Forschenden weitere Einflussfaktoren, ist der negative Zusammenhang bei jungen Beschäftigten statistisch weiterhin nicht signifikant. Die schwache Konjunktur spielt für die Beschäftigungsentwicklung eine deutlich größere Rolle.
Die Ergebnisse sind deshalb kein Beleg dafür, dass KI bereits systematisch Einstiegsjobs ersetzt. Sie liefern jedoch einen Anlass, die weitere Entwicklung genauer zu beobachten.
Wenn KI einfache Aufgaben übernimmt, verändert sich auch das Lernen
Besonders interessant ist die Studie aus Sicht der Personal- und Organisationsentwicklung.
In vielen Unternehmen beginnt berufliches Lernen mit vergleichsweise einfachen Aufgaben. Nachwuchskräfte recherchieren Informationen, bereiten Dokumente vor, erstellen erste Auswertungen oder unterstützen erfahrene Kolleginnen und Kollegen bei wiederkehrenden Tätigkeiten.
Genau bei solchen Aufgaben kann generative KI häufig unterstützen. Werden sie zunehmend automatisiert, verändert sich möglicherweise nicht nur die Arbeit selbst, sondern auch der Weg, auf dem neue Mitarbeitende berufliche Erfahrung sammeln.
Daraus entsteht eine wichtige organisatorische Frage: Wie entwickeln Beschäftigte Fachwissen und Urteilsvermögen, wenn ihnen bestimmte praktische Lernschritte künftig seltener begegnen?
Die Antwort kann nicht darin bestehen, auf KI zu verzichten. Vielmehr müssen Unternehmen darüber nachdenken, wie sie Lernen und Arbeiten unter veränderten technologischen Bedingungen miteinander verbinden.
Was Unternehmen für ihre Personalentwicklung daraus ableiten können
Für den Mittelstand ist diese Frage besonders relevant. Viele Betriebe sind darauf angewiesen, Fachkräfte selbst auszubilden und langfristig zu entwickeln. Häufig erfolgt ein großer Teil des Lernens unmittelbar im Arbeitsalltag.
Wenn KI bestimmte Aufgaben schneller erledigt, sollten Unternehmen deshalb nicht ausschließlich auf die eingesparte Arbeitszeit schauen. Ebenso wichtig ist, welche Kompetenzen Mitarbeitende bei der bisherigen Bearbeitung dieser Aufgaben erworben haben.
Ein sinnvoller Ansatz kann darin bestehen, KI bewusst in Lernprozesse einzubinden. Nachwuchskräfte könnten beispielsweise zunächst eigene Lösungsansätze entwickeln, diese anschließend mit KI-Ergebnissen vergleichen und Unterschiede gemeinsam mit erfahrenen Mitarbeitenden bewerten.
Auch die Fähigkeit, KI-Ausgaben kritisch zu prüfen, wird zu einer wichtigen beruflichen Kompetenz. Wer Ergebnisse beurteilen soll, benötigt weiterhin fachliche Grundlagen und ein Verständnis für die zugrunde liegenden Zusammenhänge.
Damit wird KI-Qualifizierung zu einem Bestandteil moderner Personalentwicklung. Sie sollte nicht nur vermitteln, wie einzelne Tools funktionieren, sondern auch, wie Mitarbeitende mit KI lernen, Entscheidungen vorbereiten und Verantwortung übernehmen.
Fazit: KI verändert nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Karrierewege
Die IAB-Studie liefert keinen Beleg für einen allgemeinen Arbeitsplatzabbau durch künstliche Intelligenz. Sie zeigt jedoch, dass sich die Beschäftigung in unterschiedlichen Altersgruppen und Berufsfeldern nicht einheitlich entwickelt.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine wichtige Aufgabe: Sie sollten nicht nur untersuchen, welche Tätigkeiten sich automatisieren lassen, sondern auch, welche Auswirkungen dies auf die Entwicklung ihrer Mitarbeitenden hat.
Gerade angesichts des Fachkräftemangels wäre es problematisch, kurzfristige Effizienzgewinne zu erzielen und gleichzeitig die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte zu vernachlässigen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, welche Aufgaben KI übernehmen kann, sondern auch, wie Menschen künftig die Kompetenzen erwerben, um diese Aufgaben zu verstehen und zu verantworten.
Quellen
IAB-Forum, 13. Oktober 2026: KI als Jobkiller für Berufseinsteiger? Entwarnung mit Vorbehalt